Akteneinsicht zum Seehunde-Abschuss in Schleswig-Holstein: Deutsches Tierschutzbüro sieht dringenden Änderungsbedarf

Akteneinsicht zum Seehunde-Abschuss in Schleswig-Holstein: Deutsches Tierschutzbüro sieht dringenden Änderungsbedarf

Rund 770 kranke und verletzte Seehunde sind in den letzten zwei Jahren in Schleswig-Holstein von Seehundjägern erschossen worden. Dies hat Anfang des Jahres bei Tierfreunden in ganz Deutschland für Empörung gesorgt. Vom zuständigen Minister Dr. Robert Habeck wurde das Seehundmanagement des Landes verteidigt. Nun hat das Deutsche Tierschutzbüro die Meldebögen der Seehundjäger ausgewertet und sieht dringenden Änderungsbedarf.

Rund 770 kranke und verletzte Seehunde sind in den letzten zwei Jahren in Schleswig-Holstein von Seehundjägern erschossen. Grundlage dafür ist die „Richtlinie zur Behandlung von erkrankt, geschwächt oder verlassen aufgefundenen Robben“ vom 14. Oktober 1997. Sie schreibt vor, dass erkrankte, geschwächte oder verlassen aufgefundene Robben „nur dann in Pflege und ggf. Aufzucht aufgenommen werden, wenn ihr Gesundheitszustand erwarten lässt, daß sie (…) wieder ausgesetzt werden können.“

Eine Veterinärmedizinerin hat nun im Auftrag des Deutschen Tierschutzbüro e.V. die Meldebögen der Seehundjäger ausgewertet und sieht Handlungsbedarf.
Obwohl die Richtlinie festschreibt, dass vor der Tötung eines Tieres gegebenenfalls eine fachkundige Person zur Beratung hinzugezogen werden soll, scheint dies in der Praxis nur selten der Fall zu sein. Aus Sicht von Jan Peifer, Gründer des Deutschen Tierschutzbüro e.V., ist dies ein Problem:
Die Schulung der Seehundjäger kann kein Hochschulstudium ersetzen. Gerade wenn es um die Frage Leben oder Tod geht, sollte die Entscheidung von einem erfahrenen Experten gefällt werden.

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Das Deutsche Tierschutzbüro vertritt die Ansicht, dass das Robbenmanagement generell Tierärzten und nicht Jägern übertragen werden sollte. Doch solange dies nicht der Fall ist, sollte nach Ansicht des Vereins zumindest ein ausgebildeter Veterinär vor der Tötung eines Tieres konsultiert werden. Dies kann nach Ansicht des Tierschutzbüros im Notfall auch digital geschehen, z.B. durch die Übersendung von Handyfotos- und videos.

Auch die Meldebögen sind aus Sicht des Deutschen Tierschutzbüro e.V. wenig geeignet einen wirklichen Eindruck vom Zustand der getöteten Tiere zu geben, zu undifferenziert sind die Antwortmöglichkeiten. „Eine anschließende objektive Auswertung, ob es wirklich nötig war das Tier zu töten ist somit nicht möglich“, kritisiert Peifer. Fehleinschätzungen und damit die unnötige Tötung einzelner Tiere können so nicht zuverlässig erkannt und für die Zukunft ausgeschlossen werden.

Das Deutsche Tierschutzbüro fordert daher Änderungen beim Robbenmanagement.
Die unnötige Tötung von Tieren, die noch eine Überlebenschance gehabt hätten, muss verhindert werden“, so Peifer.

In einem Brief an den zuständigen Umweltminister Habeck hat das Deutsche Tierschutzbüro die Ergebnisse der Aktenauswertung dargelegt und ihn gebeten das Seehundmanagement zu verbessern.