Deutsches Tierschutzbüro deckt auf: Verbrauchertäuschung bei LIDL

Wir decken auf: Verbrauchertäuschung bei LIDL

Seit Monaten wirbt LIDL mit dem Slogan „Gutes Fleisch erkennt man am guten Fleisch – und an einem guten Preis“; weiterhin wirbt der Discounter damit, dass man über einen QR-Code, welcher sich auf der Verpackung befindet, die Herkunft des Fleisches rausfinden kann. Zu Herkunft zählt die Aufzucht, Haltung, Schlachtung/Zerlegung sowie die Verarbeitung. Das wirkt recht transparent, doch ist dem wirklich so? Gelangt man über den Code tatsächlich zu dem Landwirt, wo das Tier gelebt hat?

Die Fleischskandale in den letzten Jahren sind bei den Verbrauchern nicht spurlos vorbeigegangen. Immer mehr Konsumenten verzichten auf Fleisch und Fleischprodukte, dies haben offenbar auch die großen Konzerne erkannt und setzen nun mit großangelegten Kampagnen auf „Qualität“ und „Transparenz“. Doch oft sind es nur PR-Aktionen, die mehr „Schein als Sein“ sind. Die Massen an Fleisch, die zum Dumpingpreis bei LIDL & Co. verkauft werden, sind nur aus der Massentierhaltung zu bekommen, da helfen auch keine tollen Werbeversprechungen und TV-Spots.

Auch wenn wir schon im Vorfeld geahnt haben, dass die neue Fleisch-Kampagne von LIDL vermutlich auch nicht das hält, was sie verspricht, so wollten wir es dennoch überprüfen. Zu dem Zweck haben wir bundesweit unsere Mitglieder und Unterstützer aufgerufen, uns Fotos von Schweinefleisch-Produkten zu schicken. So erreichten uns über 40 Fotos aus LIDL-Filialen. Leider waren einige wenige Fotos auf Grund der Qualität für uns nicht brauchbar. Aber genau 40 Stück aus 14 Städten (u.a. Berlin, München, Frankfurt, Dresden, Uetze, Bochum) konnten wir auswerten. 7 der 40 untersuchten Fleischprodukte hatten überhaupt keinen QR-Code und bei vielen, die einen Code hatten, klappt dieser Weg der Abfrage nicht. Ein Hinweis neben dem QR-Code lässt ahnen, dass die Abfrage auch anders funktioniert, über die Website www.ftrace.com kann man eine Zahlenkombination eintragen, die sich auf der Frontseite der Fleischverpackung befindet. Doch hierbei braucht man etwas Geduld, zwar gibt es eine Anleitung, welche Zahlen man wo eingeben soll, allerdings stimmt diese nicht bzw. ist nicht richtig nachvollziehbar. So muss man z.B. bei den Fleischprodukten der Firma „Landjunker“ die ersten beiden Buchstaben der Zahlenkombinationen weglassen, damit die Abfrage funktioniert. Auf der ftrace-Website wird dem Verbraucher aber dargestellt, man müsse die Buchstaben bei der Abfrage mit angeben. Auch muss man das Verpackungsdatum mit angeben, dieses ist aber nicht auf den ersten Blick erkennbar und steht auch nicht immer direkt an der Zahlenkombination. In einigen Fällen stehen einfach nur 4 Zahlen „irgendwo“, da kann man nur rätseln, dass es sich hierbei um die Uhrzeit handelt.

Warum man dieses Verwirrungsspiel macht, konnte uns der Mitarbeiter an der ftrace-Hotline auch nicht sagen. Es würde wohl mit einzelnen Verpackungszentren zusammenhängen. An der Stelle wurde auch deutlich, dass die Abfrage überhaupt nichts mit LIDL zu tun hat. Die Website wird von der Kölner Softwarefirma „GS1 Germany GmbH“ betrieben, die Firma betreut offenbar auch die Kundenhotline.
8 Proben konnten wir auch trotz Zahlenkombination und Anruf bei der Kundenhotline nicht überprüfen, immerhin 20 %. Bei der Abfrage der restlichen Fleischprodukte fiel auf, dass nicht klar erkennbar ist, wo das Tier wirklich gelebt hat. Es wird nur eine Ortschaft/Landkreis genannt, doch der Name des Mästers oder die genaue Anschrift ist nicht sichtbar, obwohl das die Werbebotschaft von LIDL und auch die ftrace-Website suggeriert. Auch fiel auf, dass das Fleisch von verschiedenen Höfen teilweise aus ganz Deutschland kommt und dann zusammen verpackt wird. So wurde für Grillsteaks, 550 Gramm (Firma Grillmeister), welches in Adelsheim (Baden-Württemberg) im LIDL verkauft wurde, Fleisch aus Damme (Niedersachsen), Lastrup (Niedersachsen), Großtreben-Zwethau (Sachsen), Löningen (Niedersachsen) und Nordhausen (Thüringen) zusammengeworfen. Geschlachtet wurden die Tiere laut Website übrigens in Nordrhein-Westfalen, sowohl die Tiere als auch das Fleisch waren damit durch halb Deutschland unterwegs. Tiere, die zu LIDL-Hackfleisch verarbeitet werden, sind mitunter noch weiter unterwegs. So stammten laut ftrace-Website die Tiere aus 8 Ortschaften in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, geschlachtet wurden sie in Nordrhein-Westfalen, das Fleisch gefunden haben wir in Berlin.
Die Firmennamen des Schlachthofs, der Zerlegung und der Verarbeitung werden im Gegensatz zu den Mastbetrieben genau benannt, warum das nicht mit den Höfen geht, wollten wir wissen, die Antwort lautet: Datenschutz. Warum das aber bei den Eierproduzenten funktioniert und möglich ist, konnte uns weder der Mitarbeiter bei der ftrace-Hotline noch LIDL sagen.

Die meisten Produkte (35) in unserem Test stammen von der LIDL-Eigenmarke „Landjunker“. Der Firmenname suggeriert ländliche Idylle, ja klingt geradezu adelig. Doch auch dahinter steht nur eine PR-Masche, denn das Fleisch stammt aus der Massentierhaltung. Das gibt LIDL auf Anfrage auch selbst zu und gibt an, dass 98 % des verkauften Fleisches aus Großbetrieben stamme.

Fazit:
LIDL suggeriert den Verbrauchern eine Transparenz, die nicht eingehalten wird. Das ist zwar nicht überraschend, aber dennoch enttäuschend. Aus Tierschutzsicht sollte man ohnehin dringend davon abraten, Fleisch bei Discountern zu kaufen. Und wer nicht will, dass für sein Steak, Würstchen oder Wurst ein Tier leiden musste, der sollte sich veggie/vegan ernähren.

Unser Test im Überblick:
– 40 überprüfte Proben
– Aus 14 Städten lagen uns Proben vor
– 7 Proben hatten keinen QS-Code
– 8 Proben konnten überhaupt nicht abgefragt werden (20 %)
– 24 Proben enthielten Fleisch aus 5 oder mehr Mastanlagen
– Bei keinem der Produkte wurde uns die genaue Anschrift der Mastanlage mitgeteilt

Hier finden Sie das vollständige Testergebnis als PDF. Die Auswertung erstreckt sich über mehrere Seiten, am besten drucken Sie alle Seiten aus und legen die Blätter aneinander.

Grafik Auswertung

Wir haben unsere Mitglieder und Unterstützer aufgerufen, uns Fotos aus LIDL-Filialen zu schicken. Auf dieser Karte haben wir die Ortschaften markiert, aus deren Filialen uns Fotos übersandt worden sind.

Pressebericht:
Huffingtonpost (25.06.2015)

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Mitgliedschaft, diese ist bereits ab 5 Euro im Monat möglich. Jetzt Mitglied werden.