Auch wenn Tierhalter überfordert sind, ist aussetzen keine Lösung!

Allein in Deutschland werden jährlich ca. 500.000 Haustiere ausgesetzt. Die Zahl ist stetig gestiegen, die meisten Tiere werden seit Jahren zur Zeit der großen Ferien ausgesetzt oder gefunden. Fast drei Viertel der an Tierheime abgegebenen Tiere werden immer noch mit der Begründung „finanzielle Not“ den Tierschützern überlassen. Dabei platzen viele der Tierheime mittlerweile aus allen Nähten. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie trotz Engpässen gut für Ihr Haustier sorgen können, was zu tun ist, wenn man ein ausgesetztes Tier findet und welche Dinge man beachten sollte, bevor man sich ein Haustier anschaffen möchte.

Angesichts stetig steigender Zugänge bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen sehen sich viele der deutschlandweit ca. 750 Tierheime in einem Teufelskreis. Die Spendenbereitschaft ist vielfach auf dem Tiefpunkt, doch gerade jetzt geben aus finanziellen Gründen immer mehr Menschen ihre Tiere ab. Bei der Abgabe von fast 70 % aller Tiere im Tierheim wird Geldnot als Grund angegeben, sogar 85 % der abgegebenen Hunde kommen mit dieser Begründung ins Heim. Tierschützer beklagen hingegen die schlechte finanzielle Ausstattung von Tierheimen, es ist immer weniger Geld für Futter, Reinigung und Operationen vorhanden.

Was tun, wenn ich ein ausgesetztes Tier finde?

Ruhe bewahren. Wie bei einem Unfall gilt: keine Gefahr eingehen. Auch ein harmlos aussehender Hund kann durch die für ihn unverständliche Situation unerwartet reagieren; oftmals sind ausgesetzte Tiere zudem völlig dehydriert und ausgehungert. Nur nähern, wenn man sich völlig sicher ist, die Situation im Griff zu haben. Tiere nicht einfach mitnehmen, sondern die Polizei, Feuerwehr oder/und ein örtliches Tierheim informieren. Die Feuerwehr ist verpflichtet, sich um aufgefundene, ausgesetzte Tiere zu kümmern! Wenn man einen Verdacht hat, wem das Tier gehört oder wer es ausgesetzt haben könnte, sollte dies der Polizei mitgeteilt werden, sie wird den Fall untersuchen. Wer ein Tier aussetzt, macht sich strafbar. Bitte melden Sie einen Tierfund auch bei Tasso (24 Stunden-Hotline: 06190-937300, www.tasso.net). Tasso führt eine bundesweite Datenbank mit vermissten Hunden und Katzen, bei dem (vermeintlich) ausgesetzten Tier könnte es sich ggf. auch um ein gesuchtes Tier handeln.

Für viele Bürger bestimmt auch Hartz IV den Alltag; wenn das Amt den Unterhalt übernimmt, sind Haustiere oft die ersten Opfer. Denn Tierhaltung spielt für deutsche Behörden nur eine untergeordnete Rolle; für die Bemessung von Sozialleistungen bleibt sie gänzlich unberücksichtigt. Hartz IV für Haustiere gibt es nicht. Dies kann etwa dazu führen, dass sozial schwache Mieter in kleinere Wohnungen gedrängt werden, in die sie ihre Tiere nicht mitnehmen dürfen. Für die Beibehaltung einer Wohnung sind sie aber keine anerkannte Begründung. Viele Tiere landen oft im Tierheim oder werden gar ausgesetzt. Gerade für ältere oder sozial schwache Menschen sind ihre Haustiere oft der einzige Freund, durch einen Verlust des Tieres würde für sie eine Welt zusammenbrechen. Weil viele Tierheime für die Aufnahme eines Abgabetieres eine Gebühr verlangen (müssen), werden Tiere mit unterschiedlichen Intentionen immer wieder auch einfach ausgesetzt und sich selbst überlassen. Einige Tierbesitzer sind sich der Folgen ihrer Handlung für das hilflose Tier offensichtlich wohl bewusst und setzen es in der Nähe eines Tierheims aus, stellen es in einer Kiste oft sogar vor die Tür. Andere Menschen vertrauen auf die Hilfsbereitschaft ihrer Mitbürger, wenn sie etwa Hunde an Autobahnraststätten einfach anbinden und davonbrausen. Katzenhalter, die ihren Stubentiger im Wald aussetzen, glauben teilweise sogar, sie tun diesen etwas Gutes. Die meisten jedoch denken über ihr Verhalten offenbar kaum oder gar nicht nach und „entsorgen die Tiere“ nur, weil es in den Urlaub geht- in dem das Tier nur stören würde. Ausgesetzte Tiere leiden, sie verstehen die Situation nicht und warten völlig verstört oft bis zu ihrem Tod auf die Rückkehr „ihres“ Menschen. Letztlich kommen die vielgeliebten Haustiere in der freien Wildbahn gar nicht zurecht, denn eigenes Futter jagen kennen sie oft nicht (mehr) bzw. können sich gegen verwilderte Artgenossen nicht durchsetzen. Ausgesetzte Haustiere sterben daher meist.

Trotzdem ist es eine traurige Tradition: Jedes Jahr in den Sommermonaten häufen sich seit Jahren schon die Funde von ausgesetzten Tieren, wenn ihre Besitzer sie nicht in den Urlaub mitnehmen können oder wollen. Durch die wirtschaftlich prekäre Lage vieler Haushalte wird dieses Phänomen noch verstärkt, die Zahl der ausgesetzten (gefundenen) Tiere lag etwa in den Jahren der Wirtschaftskrise deutlich oberhalb der Werte vergangener Jahre. Was viele dabei nicht wissen: nach § 18 des Tierschutzgesetzes kann das Aussetzen oder Zurücklassen eines Haustieres (etwa beim Umzug) mit Haft oder einer Geldbuße von bis zu 25.000,00 € geahndet werden. Tiere auszusetzen ist verboten!

Was muss geklärt werden, bevor ich mir ein Haustier anschaffe?

Kann ich sicherstellen, dass ich für das Wohlergehen des Tieres sorgen kann? Ist eine regelmäßige tierärztliche Betreuung möglich? Kann ich den Unterhalt für ein Tier zusätzlich finanzieren? Ein Hund oder eine Katze kostet etwa 50 – 60 € im Monat, Operationen oder andere Behandlungen können teuer sein – die Kastration einer Katze kostet 100 – 150 €. Wer kümmert sich um das Tier, wenn ich in den Urlaub fahre? Oder kommt es mit? Die Anschaffung eines Tieres sollte nie eine Spontan-„Tat“ sein, im Vorfeld muss etwa geklärt werden, ob bei einem Familienangehörigen eine Allergie gegen Tierhaare vorliegt und ob es im Mietvertrag eine Haustierregelung gibt.

Die Verzweiflung, die oft der Grund für das Aufgeben eines Tieres ist, ist jedoch in einigen Fällen unbegründet, denn es gibt Alternativen. Aus Angst um die eigene Existenz geraten viele Betroffene in einen Tunnel, der sie in ihrer Sicht einschränkt oder diese versperrt. Viele Tierheime bieten eine vorübergehende Inobhutnahme des Haustieres an, solange sich sein Halter nicht selbständig um das Tier kümmern kann, so etwa während einer Umzugsphase. Gerade in Tierarztpraxen hängen Anzeigen von Tiersittern aus, die sich zum Beispiel während eines Urlaubes um fremde Haustiere kümmern. Wenn ein Tierhalter die Futterkosten für sein Tier alleine nicht mehr bestreiten kann, hat er die Möglichkeit, sich an eine der etwa ein Dutzend Tiertafeln (www.tiertafel.de) zu wenden, die ihm mit Rat und Tat (und Futter) zur Seite stehen. Wenn ein Haustier, ob aus Geld- oder Zeitnot oder anderen Gründen, eine Familie wieder verlassen muss, dann muss seine Würde gewahrt und nach einem neuen Zuhause gesucht werden. Ein offener und konstruktiver Umgang mit einer scheinbar schwer zu lösenden Situation ist der richtige Weg und sollte immer zu einer für alle Beteiligten bestmöglichen Lösung des Konflikts führen. Die Übernahme von Verantwortung beginnt jedoch lange vor der Anschaffung eines Tieres mit der Frage, ob die Verantwortung für ein Lebewesen überhaupt mit dem eigenen Lebensstil verträglich ist. Sollte das Ergebnis sein, dass mangels Zeit oder Geld das Wohlergehen des Tieres nicht gewährleistet werden kann, dann ist der Verzicht auf ein Haustier kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein Zeichen der Charakterstärke.

Besonders für Alleinstehende, alte oder einsame Menschen kann ein Haustier eine enorme Bereicherung des Alltags sein. Gerade hier jedoch ist die Verantwortung für das Tier besonders hoch. Sollte nicht sichergestellt werden können, dass unter allen Umständen für das Tier gesorgt werden kann, dann sollte von einer Anschaffung abgesehen werden.
Für Unentschlossene: Fast alle Tierheime bieten so genannte Gassi-Tage oder Streicheltage an, hier kann sich der potenzielle neue Tierhalter einen ersten Eindruck von einem Hund oder einer Katze verschaffen.

Vorsicht vor Tierhändlern und -züchtern

Sollte man sich nach reiflicher Überlegung für die Anschaffung eines Tiers entschieden haben, dann sollte unbedingt ein Tierheim ausgesucht werden. Tierhändler und -züchter (vor allem aus dem Internet) sind mit Vorsicht zu genießen, ihnen geht es meist nur um den schnellen Verkauf eines Tiers, anders als im Tierheim.