Deutsche Bahn lehnt Krähen-Rettung ab.

Wir sind empört über das tierfeindliche Verhalten der Deutschen Bahn. Hintergrund ist die Weigerung des Unternehmens, die Rettung einer jungen Krähe von den Gleisen des Berliner Ostbahnhofs zu unterstützen.

Das Tier wurde von einem aufmerksamen Bahnmitarbeiter auf einem Gleisbett des Berliner Ostbahnhofs entdeckt. Das noch flugunfähige Tier war offensichtlich von einer besonders starken Windböe aus dem Nest geweht worden und lag nun hilflos zwischen den Gleisen. Der Bahnmitarbeiter rief eine Aktivistin des Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V. zu Hilfe.

Gemeinsam informierten sie Polizei und Feuerwehr, die auch wenig später eintrafen. Den Sicherheitsvorschriften folgend bat die Feuerwehr bei der Deutschen Bahn um Abschaltung des Stroms auf dem Gleisbett. Dies wurde von der Bahn nach nur kurzer interner Beratung aus Kostengründen abgelehnt. So zogen schliesslich Feuerwehr und Polizei unverrichteter Dinge ab. Das Krähenjunge sollte seinem Schicksal überlassen werden.

Kurz entschlossen sprang daraufhin die Arbeitskreis-Aktivistin auf das Gleisbett, ergriff das hilflose Jungtier und kletterte, mit der kleinen Krähe in der Hand, auf den Bahnsteig.

Der Jungvogel wurde zu einem Tierarzt gebracht und dort tiermedizinisch versorgt. Karlchen, wie die Krähe getauft wurde, konnte mittlerweile in eine Pflegestation für in Not geratene Rabenvögel am Stadtrand von Berlin vermittelt werden.

Für den „Arbeitskreis humaner Tierschutz“ ist das Verhalten der Deutschen Bahn unverständlich. Um das hilflose Tier vor dem sicheren Tod auf dem Gleisbett zu retten, hätte sie den Strom abstellen müssen, nicht alleine aus Gründen des Tierschutzes, sondern auch, weil Krähen unter Naturschutz stehen.

Schreiben Sie der Deutschen Bahn und fordern Sie sie auf, ihre Mitarbeiter klar anzuweisen, das Wohl fühlender Lebewesen über Kostenerwägungen zu stellen:

DB Services GmbH

Geschäftsführung
Elisabeth-Schwarzhaupt-Platz 1
D-10115 Berlin
Tel: 0800 591 1010
Fax: + 49 30 297 – 53403
E-Mail: db-services@deutschebahn.com

Die DB hat uns gebeten diese Stellungnahme zu veröffentlichen (Auszug):

Wir sind froh, dass die Tierschutzaktivistin bei der Bergung von „Karlchen“ unverletzt geblieben ist – und das Tier bergen konnte. Die Aktion darf dennoch kein Vorbild sein, eigenmächtig die Gleisanlagen zu betreten. Lebensgefahr droht dort sowohl durch Stromschlag bei der Stromschiene der S-Bahn als auch durch den Zugverkehr (weswegen das Betreten auch aus gutem Grund verboten ist).

Die DB hat in internen Regelwerken festgelegt, dass zur Bergung von Tieren im Bedarfsfall der Strom abgeschaltet und dies durch benannte Verantwortliche entschieden werden muss. Wirtschaftliche Erwägungen spielen hierbei keine Rolle, es muss geprüft werden, ob Leib, Leben oder die Freiheit von Fahrgästen gefährdet werden könnte. 

Die DB hat dem Arbeitskreis Humaner Tierschutz ein Gespräch angeboten, um die vorhandenen Regelwerke und die Kommunikationswege noch einmal gemeinsam zu überprüfen und ggf. zu verbessern. Darüber hinaus haben wir dem Verein angeboten, die Kosten der tierärztlichen Versorgung des Vogels nachträglich zu übernehmen. (25.07.2012)

Presseartikel:
Der Fall Karlchen – taz.die tageszeitung (20.07.2012)
Gekräht – Der Tagesspiegel (20.07.2012)