Tierhandlungen – Geschäfte auf Kosten der Tiere

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Etwa hundert Millionen Heimtiere leben Schätzungen zufolge in deutschen Haushalten, in jedem dritten Haushalt lebt statistisch mindestens ein Tier. Viele der Tiere stammen von Züchtern, aus Tierheimen, aus dem Ausland ─ oder aus einer der ca. 4300 Zoohandlungen deutschlandweit. Doch nicht immer steht hier der fach- und artgerechte Umgang mit den Tieren im Mittelpunkt ─ das Gegenteil ist oft der Fall.

„Die Mitglieder verpflichten sich, durch qualifizierte Beratung die fachgerechte Haltung zu gewährleisten“, heißt es in der Präambel des Grundsatzprogramms des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF), in dem sich 670 Zoo- und Zubehörhändler zusammengeschlossen haben. Als Vorbild möchte man mit Tierschutz Vertrauen schaffen ─ doch obwohl jedes Jahr Millionen Tiere in Tierhandlungen verkauft werden, gibt es in Deutschland, anders als etwa in Österreich, keine speziellen gesetzlichen Regelungen für den Verkauf von lebenden Tieren. Bundesweite Recherchen unserer Ermittler brachten zahlreiche Missstände ans Licht, die zeigen: Im Tiermarkt wird viel vor allem durch den Profit bestimmt. Und das Geschäft lohnt sich: 2010 betrug der Gesamtumsatz der Heimtierbranche nach offiziellen Angaben 3,7 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Vor allem in Berlin, Hamburg, NRW und Bayern mussten unsere Mitarbeiter, die sich als Kunden ausgaben, erleben, dass der Umgang mit Tieren in den Zoogeschäften oft alles andere als vorbildlich ist: Verdreckte Käfige und Aquarien, tote Fische zwischen ihren lebenden Artgenossen, kranke und verkrüppelte Kleinsäuger und Vögel sowie Tiere mit deutlich sichtbaren Verhaltensstörungen konnten in vielen Zoohandlungen dokumentiert werden.

In Hamburg fallen vor allem einige Vögel in Zoogeschäften auf: In einer Filiale einer großen Tierhandelskette werden Kakadus zum Kauf angeboten, ein Pärchen. Die schönen Vögel sind eine Attraktion in dem belebten Geschäft, damit sie von allen Seiten betrachtet werden können, haben sie jedoch keine Rückzugsmöglichkeit in ihrem Käfig. Von allen Seiten stecken Kunden Finger durch die Gitter und reden auf die Tiere ein. Zwar sind diese erst wenige Monate alt, doch zeigen sie bereits Verhaltensauffälligkeiten, bedingt durch die nicht fachgerechte Haltung. Auch ein Kanarienvogel im Nachbarkäfig hat keinen Rückzugsort ─ aus Mangel an Alternativen brütet er in seinem Futternapf. In der Aquaristikabteilung steht das Wohl der Tiere, wie es im Grundsatzprogramm der Tierhandlung versprochen wird, offenbar auch nicht im Vordergrund: Tote und sterbende Fische, auf die von den Testkunden hingewiesen wurde, seien normal, erklärt eine Verkäuferin unseren schockierten Tierschützern. Augenscheinlich wird die Haltung von Fischen in Zoohandlungen oft nicht von ausgebildetem Fachpersonal überwacht.

Sterbelisten 
Auf Sterbelisten vermerken die Zoohändler Verluste unter den Tieren. Aus diesen Unterlagen, die uns ein Insider zugespielt hatt, geht eine erschreckende Anzahl von Todesfällen bei der Fischhaltung hervor. Die Listen stammen aus bekannten Berliner Tierhandlungen.

Obwohl der Inhaber mit 30-jähriger Berufserfahrung wirbt, fanden AK-Mitarbeiter in einer anderen, kleineren Zoohandlung neben dem schon gewohnten Bild von überbelegten Aquarien, ungepflegten Becken und toten Fischen zwischen ihren lebendigen Artgenossen sogar einen toten Fisch auf dem Boden. Dieser war wohl aus einem nicht abgedeckten Becken gesprungen und anschließend elendig erstickt. Dass tote Tiere auch außerhalb der Käfige keine Einzelfälle sind, zeigte der Besuch einer anderen Berliner Tierhandlung. Hier fanden Tierschützer eine apathische Ratte, aus deren Nase Blut lief. Wie sich später herausstellte, hatte die Ratte Gift gefressen. Die Betreiberin des Geschäftes hatte es ausgelegt, um entkommene oder wilde Tiere im Ladenlokal zu töten. Unsere Ermittler nahmen die Ratte, der sie den Namen Cooper gaben, in ihre Obhut um sie tierärztlich versorgen zu lassen. Doch Cooper war bei weitem nicht das einzige Tier, was unter den schlechten Haltungsbedingungen leiden musste. Wie in vielen anderen Betrieben fanden sich in dem Geschäft, welches dem Ordnungsamt bereits seit über 20 Jahren bekannt war, tote Fische, die unbemerkt verwesten. Kaninchen und Farbratten machten einen verhaltensgestörten Eindruck und hatten teilweise sogar offene Bisswunden ─ ein deutliches Zeichen für stressbedingte Verhaltensauffälligkeiten. Ein Vogel, dessen Schnabel so verwachsen war, dass er nicht in der Lage war, Nahrung einzunehmen, legte den Verdacht von genetisch bedingten Missbildungen nahe. Häufig sind solche Fehler Ergebnis von Massenzuchten, wie Experten warnen.

Nach den Recherchen erstatteten wir umgehend mehrere Anzeigen. Der Betreiberin der besonders auffälligen Berliner Zoohandlung wurde mittlerweile ein Tierhaltungsverbot auferlegt und der gesamte Tierbestand aufgelöst. Die Ratte Cooper konnte leider nicht mehr gerettet werden, dem Tierarzt blieb nur noch, das Tier von seinem Leid durch die Vergiftung zu erlösen.

Wer ein Tier in einer Zoohandlung kaufen möchte, sollte sich genau davon überzeugen, dass es nicht unter falschen Haltungsbedingungen, Überbelegungen und Stress leiden musste. Die meisten Verhaltensstörungen können so bereits schon früh entstehen. Ob ein Zoohändler Mitglied des ZZF ist, sagt leider nichts über die Umstände aus, unter denen die Tiere im Geschäft leben oder leiden. Bei einem Besuch eines Zoogeschäftes in Bayern stießen die als Kunden getarnten Tierschützer gleich auf mehrere gravierende Mängel: Tiere mit Tumoren, kahlgerupfte Papageien ─ dies kann keine Haltung sein, die durch Vorbild Vertrauen schafft.

Der Zoohandel macht meist nicht bloß Geschäfte mit Tieren, sondern oft auch auf Kosten der Tiere. Unterstützen Sie dieses leidvolle Geschäft nicht und holen Sie Ihren neuen Mitbewohner aus dem Tierheim. 

Gemeinsam mit dem MDR machte unser Sprecher, Stefan Klippstein, Kontrollen in deutschen Zoomärkten, was sie vorfanden war erschreckend. Viel zu kleine Käfige, kranke und verstümmelte Tiere. Selbst vor dem verbotenen verkauf lebender Mäuse als Katzenfutter wird in namenhaften Märkten nicht zurückgeschreckt. (Mittschnitt der MDR Umschau vom 10.07.2012)

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