Gothaer Versicherung ergreift Partei für die Jägerschaft

Gothaer

Der Kölner Versicherungskonzern Gothaer hat seine Mitglieder aufgefordert, gegen die Novellierung des Landesjagdgesetzes aktiv zu werden und bittet um Spenden an die Jägerschaft. Damit mischt sich das Unternehmen in den derzeit laufenden Wahlkampf ein und ergreift Partei gegen Landesumweltminister Johannes Remmel. Wie das Umweltministerium mitteilt, warnt  das Unternehmen seine Kunden mit teilweise falschen Behauptungen vor einem bevorstehenden Ende der Jagd, deren „einzigartigen Wert und Nutzen“ es zu verteidigen gelte. Zu diesem Zweck kündigte die Gothaer eine „aufmerksamkeitsstarke Informationskampagne“ an, die der Landesjagdverband und die Jägerstiftung natur + mensch durchführen wollen. Mit dem Aufruf, diese Kampagne zu unterstützen, hatte das Unternehmen seine Kunden angeschrieben.

Der Versicherungskonzern jedoch stößt mit diesem Vorgehen nun auf Protest: Umweltminister Johannes Remmel nannte den Vorgang „bedenklich,“ Tier- und Verbraucherschützer gehen weit darüber hinaus. Auch der Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V. rät seinen Mitgliedern sowie allen Kunden der Gothaer, bestehende Versicherungspolicen zu überprüfen. Die Gothaer Versicherungen gehören zu den größten deutschen Versicherern und sind nach eigenen Angaben Marktführer in der Jagdhaftpflichtversicherung. Das wirtschaftliche Interesse des Konzerns an einer Fortführung der Jagd in großem Ausmaße erklärt sich so leicht. Doch Verbraucherschützer werfen dem Unternehmen nun den Missbrauch privater Kundendaten zu wirtschaftlichen Zwecken vor; Rücktrittsforderungen an den Vorstandsvorsitzenden Dr. Werner Görg, selbst Jäger, wurden bereits laut. 

Die angekündigte Novellierung des Jagdgesetzes war von Jagdgegnern und Tierschützern begrüßt worden, wenn sie auch längst nicht alle Forderungen erfüllen konnte. Unter anderem sieht das überarbeitete Gesetz eine Neuregelung der Jagdhundeausbildung vor, welche derzeit teils noch mit lebenden Tieren (z.B. flugunfähig gemachten Vögeln wie etwa Enten) stattfindet – in Hessen und Schleswig-Holstein bereits verboten. Ein Entwurf oder Eckpunkte für das neue Jagdgesetz lägen aber noch nicht vor, wie das Umweltministerium betonte.