Überhitzte Autos-tödliche Gefahr für Mensch und Tier

IMG_4294Die ersten wirklich heißen Tage dieses Jahres sind vorbei und wir haben, genau wie viele andere Organisationen, bereits vermehrt darum gebeten, Hunde bei hohen Temperaturen nicht im Auto zu lassen. Doch angesichts des einen oder anderen Hochs, das uns diesen Sommer noch bevorsteht, ist es sinnvoll die immer wiederkehrende Frage zu klären „Darf ich eine Autoscheibe einschlagen, wenn ich sehe, dass sich im Auto ein unter der Hitze leidender Hund befindet?“. Zunächst einmal sei gesagt, dass für uns das Leben eines Tieres definitiv über dem Erhalt einer Autoscheibe steht. In den Augen des Gesetzes jedoch, gibt es dazu keine so klaren Formulierungen, weshalb wir hier noch einmal erläutern wollen, worauf in einem solchen Fall zu achten ist, damit ein Akt der Rettung keine etwaigen rechtlichen Konsequenzen nach sich zieht.

Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht dazu Folgendes:

  • 34 StGB – Rechtfertigender Notstand

Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.

Gefahr von „einem anderen“ abzuwenden, bedeutet leider nicht in jedermanns Augen auch, ein Tier zu schützen. Des Weiteren kann ein Hund im Nachhinein leider keine Aussage machen, um zu bestätigen, dass er sich in äußerst schlechtem Zustand befand und gerettet werden musste. Deshalb gilt, um sich nicht später allein und mit Worten rechtfertigen zu müssen, sollte es die Zeit zulassen, immer die Situation mit Foto oder Video dokumentieren oder Zeugen hinzuziehen, die die Notwendigkeit des Einschreitens bestätigen.

  • 228 BGB – Notstand

Wer eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um eine durch sie drohende Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht widerrechtlich, wenn die Beschädigung oder die Zerstörung zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist und der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr steht. Hat der Handelnde die Gefahr verschuldet, so ist er zum Schadensersatz verpflichtet.

Das Aufwiegen des entstehenden Schadens mit dem Leben eines Tieres mag einem absurd erscheinen, dennoch erspart man sich eventuelle Schadenersatzverpflichtungen, wenn man bedacht und adäquat reagiert. Befindet sich das entsprechende Auto beispielsweise auf einem Supermarktparkplatz, kann es sinnvoll sein, zunächst einmal den Besitzer anhand des Kennzeichens ausrufen zu lassen, bevor man die Autoscheibe einschlägt. In Abhängigkeit von der Situation ist weiterhin die Polizei oder Feuerwehr der nächste Ansprechpartner, wenn die anfallende Anfahrtszeit vertretbar ist. Muss man jedoch wirklich reagieren, weil der Fahrer nicht zu erreichen ist oder der Hund im Sterben liegt, sollte darauf geachtet werden, zum eigenen Schutz, zur Sicherheit des Tieres und ja, auch zum Schutz der Interessen des Fahrzeughalters, statt der Windschutzscheibe lieber ein kleines Seitenfenster einzuschlagen.

Das Beschädigen von Besitz zur Rettung eines Tierlebens sollte mit absoluter Selbstverständlichkeit keine Straftat sein und nicht belangt werden. Jedoch gibt es einige Fälle, in denen eine Rettungsaktion mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung belohnt und auch Schadenersatz gefordert wurde. Alles in Allem lohnt es sich, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht völlig eigenmächtig zu handeln. So kann man am ehesten Lebewesen helfen und dabei Konflikte vermeiden.