Hunderte Nerze drohten qualvoll zu verdursten – Ermittler des Deutschen Tierschutzbüro e.V. lösen Polizeieinsatz wegen defekter Tränkanlage aus

Hunderte Nerze ohne Zugang zu Wasser

Ermittlern des Deutschen Tierschutzbüro e.V. gelang es am vergangenen Sonntag (02.03.2014), schockierende Aufnahmen der illegalen Nerzfarm in Rahden zu erstellen. Aufgrund einer defekten Tränkanlage drohten hunderte Tiere elendig zu verdursten. Die herbei gerufene Polizei ordnete die umgehende Versorgung der Tiere durch den Betreiber der Farm an. Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. erstattete Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft und fordert die sofortige Schließung der letzten Nerzfarm in NRW.

Es sind schockierende Aufnahmen, die Ermittler des Deutschen Tierschutzbüro e.V. am vergangenen Sonntag an der Nerzfarm in Rahden / NRW erstellt haben. Bei einer Kontrolle durch den Kölner Tierschutzverein stellten die Aktivisten fest, dass im hinteren Bereich der Nerzfarm Schläuche Defekte aufwiesen, die die Wasserversorgung der Nerze hätten sicherstellen sollen. Gleich hunderte Nerze saßen augenscheinlich seit einer langen Zeit ohne Zugang zu Wasser in Käfigen von der Größe eines Schuhkartons und drohten zu verdursten.
Stefan Klippstein, Pressesprecher des Vereins und gelernter Tierpfleger, war selbst vor Ort und berichtet: „Die Nerze versuchten, an Wasser zu gelangen und scharrten dabei verzweifelt an den Gittern und Tränken. Unentwegt versuchten die hilflosen Tiere vergeblich, das Trinkwasser zu erreichen: der Schlauch der Wasserversorgung war geplatzt.“ Es waren bereits erhebliche Mengen Wasser ausgetreten, was eine große Lache unter den Käfigreihen belegte. „Der Zustand muss schon länger bestanden haben, es war ein erschütternder Anblick, die durstigen Tiere zu sehen, wie sie wie verrückt versuchten, sich durch die Gitter zu beißen“.
Die vor Ort informierte Polizei erkannte ebenfalls die Notlage der hilflos in den kleinen und verdreckten Käfigen befindlichen Nerze und wies den Betreiber der Nerzfarm, Herrn Nikita Bosch, telefonisch an, unverzüglich die verdurstenden Tiere mit Wasser zu versorgen und die Tränkanlage in Ordnung zu bringen.

Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. erstattete daraufhin Strafanzeige gegen den Betreiber bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz § 17. Der gesetzlich vorgeschriebene, dauerhafte Zugang zu Wasser fehlte hier; der Entzug von Wasser führt jedoch zu länger anhaltenden und wiederholten Leiden bis hin zu körperlichen Schäden und kann sogar zum Verenden von Tieren führen.
Da neben diesem besorgniserregenden Zustand der Anlage erneut, wie schon in den letzten zwei Jahren wiederholt vom Deutschen Tierschutzbüro e.V. dokumentiert und zur Anzeige gebracht, offensichtlich kranke Nerze mit Fellschäden, verklebten Augen und urindurchtränktem Fell dokumentiert wurden, erstatteten die Tierschützer zusätzlich Anzeige bei der Veterinärbehörde des Kreis Minden Lübbcke und forderten diese auf, umgehend eine unangemeldete Kontrolle der gesamten Anlage durchzuführen.

Seit nun mehr zwei Jahren klagt der Betreiber der Nerzfarm in Rahden gegen eine verschärfte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, welche den Tieren mehr Platz bieten soll, Beschäftigungsmaterial und ab 2016 auch ein Schwimmbecken vorsieht.
Kaum eine der acht noch bestehenden Nerzfarmen in Deutschland erfüllt diese Verordnung, Klagen vor den Verwaltungsgerichten bieben bis dato erfolglos.
Gab es im Jahr 2011 bundesweit noch 25 Nerzfarmen mit etwa 400.000 Nerzen, sind es heute noch acht Farmen mit etwa 80.000 Nerzen. Rahden ist nach der erst vor wenigen Tagen bekanntgegebenen Schließung der Farm bei Borken in der Nähe von Düsseldorf die letzte Farm in NRW.

NRW war einst die Hochburg der Nerzzucht in Deutschland. Im Zuge der Kampagne der Tierschützer zur Schließung aller Nerzfarmen haben in den letzten zwei Jahren allein fünf Farmen in NRW aufgegeben, somit ist der Kreis Minden-Lübbecke trauriges Schlusslicht. Nicht zuletzt dürfte dies an den mangelnden Bemühungen der Veterinärbehörde liegen, empört sich Stefan Klippstein und fügt hinzu: „Wie kann es sein, dass nach über zwei Jahren immer noch Nerze, die unter erheblichen Verhaltensstörungen leiden, nicht einmal Zugang zu Wasser haben und eine solche Farm weiter betrieben werden darf, obwohl alle anderen Farmen in NRW bereits geschlossen sind? Wir werden das so nicht hinnehmen und nun mit einer massiv angelegten Kampagne zur Schließung der Nerzfarm in Rahden starten. Das Leiden und Sterben der Tiere auf der letzten illegalen Nerzfarm in NRW muss endlich beendet werden.“

Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. erwartet ein entschiedenes Eingreifen der kreislichen Behörden und dem Land NRW und appelliert an alle Verbraucher, Pelz und Pelzbesatz an Krägen oder Mänteln zu boykottieren.

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Mindener Tagblatt (06.03.2014)

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