Keine Kastenstände mehr in deutschen Ställen!

Keine Kastenstände mehr in deutschen Ställen!

Mit einer aktuellen Petition möchte das Deutsche Tierschutzbüro auf das unsagbare Leid von Millionen Sauen in deutschen Mastanlagen aufmerksam machen. Es wird von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt ein Verbot dieser tierquälerischen Haltungsform gefordert.

Um der enormen Nachfrage nach Fleisch gerecht zu werden, führt der Weg von 60 Millionen Schweinen jährlich zur Schlachtbank. Doch die Produktion des Fleisches geht immer auf Kosten der Tiere. In den Megaställen der Intensivtierhaltung werden die Vorgaben des Tierschutzgesetzes aufs Äußerste ausgereizt, wenn nicht sogar ignoriert – wie es bei den sogenannten Kastenständen der Fall ist. Eine Sau wird im Schnitt 2,5 x pro Jahr befruchtet und um möglichst effizient so viele Schweine wie möglich zu halten, werden die Muttersauen pro Gebärzyklus für 10 Wochen in sogenannten Kastenständen gehalten. In diesen Kastenständen werden bundesweit 98 % der Sauen so fixiert, dass sie gerade einmal liegen und stehen können und das insgesamt die Hälfte ihres Lebens.

Wie sieht die gesetzliche Lage aus?

Laut § 24 Nr. (4) der Tierschutznutztierverordnung müssen Kastenstände so beschaffen sein, dass die Schweine sich nicht verletzen können und jedes Schwein ungehindert aufstehen, sich hinlegen sowie den Kopf und in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken kann. Das bedeutet, die Gliedmaßen dürfen nicht über die Gitter des Kastenstandes hinaus- und in die Nachbarbucht hineinragen. Als ein geeignetes Maß für die Größe eines Kastenstandes sollte die Größe des darin befindlichen Tieres genommen werden, wie es auch vom Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt (Aktenzeichen 3 M 16/13 vom 17.06.2013 und M 40/13 vom 08.04.2013) und des Verwaltungsgerichts Magdeburg (AZ: 1 A 230/14 MD) bereits beschlossen wurde. Nur so können die Vorgaben aus dem Tierschutzgesetz eingehalten werden, doch dies wird in weiten Teilen der Bundesrepublik schlichtweg ignoriert. Denn für die Genehmigungen dieser Haltungsform werden die Durchführungsbestimmungen der Länder Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern herangezogen und darin müssen die Kastenstände nur eine Größe von 200×70 cm aufweisen – keine Sau hat eine solche Haltung verdient.

Was sind die Folgen dieser Haltung?

Untersuchungen des Veterinärausschusses der EU ergaben, dass eine länger andauernde Fixierung im Kastenstand erhebliche Folgen für Gesundheit und Verhalten der Muttersau haben kann, wie Stereotypien, Aggression, Reaktionslosigkeit, schwache Knochen und Muskeln, Herz-Kreislauf-Schwäche und Infektionen. All dies sind eindeutige Anzeichen für unnötige Leiden und Schmerzen. Ursprünglich wurden die Tiere einzig und allein deswegen in dieser Form gehalten, damit nicht die Gefahr besteht, dass Ferkel beim Hinlegen der Mutter erdrückt werden. Eine ausreichende Käfiggröße (mindesten 5 m²) könnte dies allerdings auch verhindern. Ausschließlich aus wirtschaftlichen und ökonomischen Gründen, wird diese tierquälerische Haltungsform weit verbreitet angewandt. Wie das OVG Magdeburg 2013 zusätzlich verkündete, gebe es keine Belege, die für Kastenstände als Haltungsform zum Schutz der Sau sprächen. Auch die Ferkelsterblichkeit unterscheidet sich nicht zwischen Betrieben mit oder ohne Kastenstände.

Die Sauen können in den Kastenständen ihrem natürlichen Verhalten nicht nachkommen, sie legen sich zum Schlafen in Gruppen nieder, bauen Nester zum Werfen, kratzen sich an fremden Gegenständen, da sie selbst nicht alle Körperregionen erreichen und sie bevorzugen streng getrennte Bereiche zum Schlafen und Koten, da dies im Kastenstand nicht möglich ist, halten sie ihre Ausscheidungen zurück. Verhaltensstörungen und Krankheiten sind die Folge dieser Haltungsform.

Was muss sich ändern?

Seit Jahren wird beim Gebrauch der Kastenstände mit den Maßen 70×200 cm gegen die Tierschutznutztierverordnung verstoßen. Wir möchten, dass dieses Vergehen endlich durch die zuständigen Behörden konsequent kontrolliert und sanktioniert wird. Außerdem fordern wir ein grundsätzliches Verbot der Kastenstände, denn bei dieser Haltungsform kann die Fortbewegung des Tieres nicht gewährleistet werden und verstößt somit eindeutig gegen § 2 Nr. 2 des Tierschutzgesetzes – die Möglichkeit zur artgemäßen Bewegung darf nicht so eingeschränkt werden, dass dem Tier vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.


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