Illegale Pelztierfarm in Sachsen – Farmarbeiter bedrohen Tierschützer

Pressemitteilung_30.04.2013

Vor sieben Jahren wurden in Deutschland die Vorschriften zur Pelztierhaltung novelliert. Nach fünfjähriger Übergangsfrist ist seit Dezember 2011 die Haltung von Nerzen in kleinen Gitterkäfigen verboten. Einige Züchter betreiben ihre Farmen seither illegal weiter. Als Tierschützer des Deutschen Tierschutzbüros e.V. in der letzten Woche an einer solchen illegalen Farm recherchierten, wurden sie so massiv bedroht, dass sie die Polizei zu Hilfe holen mussten.

Köln/Seelitz-Döhlen (Sachsen), 30.04.2013. „Noch eine Minute, da liegen hier zwei Mann flach“, mit diesen Worten, eine schwere Taschenlampe wie einen Schlagstock in der Hand haltend, bedrohten letzte Woche zwei Mitarbeiter einer illegalen Nerzfarm in Sachsen Tierschützer des Deutschen Tierschutzbüros. Die Nerzfarm in Seelitz-Döhlen ist die letzte Pelztierfarm in Sachsen.

Vor sieben Jahren wurde vom Bundesrat eine neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung („Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung“) beschlossen, die auch bessere Haltungsbedingungen für Tiere auf Pelztierfarmen festschreibt. So soll Nerzen mindestens 1 m² Platz zur Verfügung stehen. Für die Umsetzung wurde den Pelztierfarmbetreibern eine Übergangsfrist von 5 Jahren eingeräumt. Diese lief bereits am 11.12.2011 aus.

Einige Nerzfarmer ignorieren diese Vorschrift bis heute und betreiben ihre Farmen einfach weiter – illegal. Dass dies bekannt wird, versuchen sie zu verhindern.
Als Mitarbeiter des Deutschen Tierschutzbüros sich letzte Woche einer Nerzfarm in Seelitz-Döhlen näherten, um in Erfahrung zu bringen, ob auch diese illegal weiter betrieben wird, wurden sie von zwei Farmmitarbeitern massiv bedroht.

Stefan Klippstein, Sprecher des Deutschen Tierschutzbüros e.V., erinnert sich: „Sie haben sich vor uns aufgebaut und einer hielt, obwohl es helllichter Tag war, eine schwere Metalltaschenlampe in der Hand. ‚Noch eine Minute, da liegen hier zwei Mann flach, das geht ganz fix‘, sagten sie zu uns.“ Dabei standen die Tierschützer auf einem Waldweg und haben über den Zaun auf die Nerzfarm gefilmt.

Die Tierschützer zogen sich zurück, alarmierten die Polizei und erstatteten Anzeige (AZ: 1701/13/119710, Polizei Sachsen, Friedrich-August-Straße 2a, 09306 Rochlitz). „Auch diese Farm wird offensichtlich noch immer illegal weiter betrieben, sonst hätte es keinen Grund gegeben, uns so massiv zu bedrohen“, so Stefan Klippstein. „Die Farmmitarbeiter wollten anscheinend nicht, dass wir die tausenden Nerze, die ihr Dasein in winzigen Gitterkäfigen fristen, sehen oder sogar fotografieren und filmen.“