Erfolg für Tierschutz Nach Strafanzeige: Nerzfarm in Bielefeld schließt

Köln/Bielefeld, 22.01.2013 – Wie die Stadt Bielefeld jetzt bekannt gab, wird die Nerzfarm in Bielefeld bis Ende Februar für immer schließen. Das „Deutsche Tierschutzbüro“ begrüßt diese Entwicklung. Der Verein hatte mehrfach Anzeige gegen die Nerzfarm erstattet und ein Tierhalteverbot für den Betreiber gefordert.

Vor sieben Jahren wurde vom Bundesrat eine neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung („Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung“) beschlossen, die auch bessere Haltungsbedingungen für Tiere auf Pelztierfarmen festschreibt. So soll Nerzen zukünftig mind. 1 m² Platz zur Verfügung stehen. Für die Umsetzung wurde den Pelztierfarmbetreibern eine Übergangsfrist von 5 Jahren eingeräumt. Diese lief bereits am 11.12.2011 aus.

Alfons Grosser, der Präsidenten des Zentralverbandes Deutscher Pelztierzüchter e.V., setzte diese Vorgaben nicht um. Das „Deutsche Tierschutzbüro“ erstattete mehrfach Anzeige gegen Grosser und veröffentlichte im Sommer 2012 erstmals Videoaufnahmen aus der Anlage. Diese zeigten lange reihen von winzigen Gitterkäfigen, dicht an dicht in einer Gewächshaus ähnlichen Halle.

Nun haben sich die Stadt und der Nerzfarmbetreiber darauf geeinigt, dass der Betrieb dauerhaft eingestellt wird. Bis zum 28. Februar 2013 müssen sämtliche für die Nerzhaltung erforderlichen Einrichtungen entfernt werden. Die beim Verwaltungsgericht anhängigen Klagen gegen die Ordnungsverfügungen der Stadt werden vom Betreiber zurückgenommen.

Im Gegenzug unterstützt die Verwaltung der Stadt Bielefeld den Antrag des Betreibers auf Erteilung eines Bauvorbescheides in den politischen Gremien mit dem Ziel, eine umweltverträgliche Gebäude- und Grundstücksumnutzung für eingeschränkte gewerbliche und sonstige Zwecke zu ermöglichen.

Stefan Klippstein, Sprecher des Deutschen Tierschutzbüros, begrüßt die Entwicklung: „Wir sind froh, dass die Farm endlich geschlossen und damit geltendes Tierschutzrecht umgesetzt wird. Die Nerzquälerei in Bielefeld hat nun ein Ende.“
Die Einigung von Betreiber und Stadt sieht das Deutsche Tierschutzbüro jedoch auch kritisch. „Es ist mit unserem Rechtsverständnis nicht vereinbar, dass man dem Betreiber wirtschaftliche Anreize bietet, damit er geltendes Recht umsetzt“, so Klippstein.

Denn wirkliche Einsicht zeigt Grosser nicht. Er betreibt in anderen Städten noch mehrere Nerzfarmen. „Auch gegen diese gehen wir rechtlich vor“, so Klippstein, „wir wollen dafür sorgen, dass noch in diesem Jahr alle Pelztierfarmen in Deutschland für immer ihren Betrieb einstellen.“

Video aus dem Sommer 2012: http://www.tierschutzbuero.de/undercover-nerzfarm-bielefeld/