Das Leiden der „Silvesterkarpfen“ – Tierschützer bei Dokumentation angegriffen

karpfen

Der Silvesterkarpfen ist eines der traditionellen Gerichte zum Jahreswechsel. In verschiedenen Lebensmittelmärkten und bei Großhändlern werden die Tiere lebend vorrätig gehalten. In Berlin hat das Deutsche Tierschutzbüro bei einem solchen Händler Verstöße gegen geltendes Tierschutzrecht dokumentiert und Strafanzeige gestellt. Mitarbeiter des Vereins sind beim filmen körperlich angeriffen worden, die Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung. Das Deutsche Tierschutzbüro fordert, dass Behörden und Politik endlich Konsequenzen ziehen und die sogenannte Lebendhälterung von Fisch bundesweit verbieten.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler nachgewiesen, dass Fische Schmerzen, Stress und Leiden empfinden können und zu erstaunlichen kognitiven Leistungen fähig sind. Das Tierschutzrecht trägt diesen Erkenntnissen jedoch bislang nicht Rechnung. So dürfen Fische, anders als andere Tiere, bis heute lebend in Geschäften gehältert und vor Ort getötet werden. Bislang existieren noch nicht einmal konkrete Vorschriften zur schmerzfreien Tötung. Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. kritisiert diese Praxis als absolut tierschutzwidrig.

Stefan Klippstein, gelernter Tierpfleger und Sprecher des Deutschen Tierschutzbüros e.V., erklärt: „Die Tiere werden transportiert und immer wieder umgesetzt, dadurch wird ihnen unnötiger Stress zugefügt. In den Verkaufsbecken selbst sind so viele Fische auf engstem Raum zusammengepfercht, dass normales Schwimmverhalten nicht mehr möglich ist. Zudem lässt man die Tiere zumeist über Wochen hungern, damit der Darm zum Zeitpunkt der Schlachtung leer ist.“

Anlässlich des Jahreswechsels und des damit saisonal zunehmenden Verkaufs von Karpfen aus Lebendhälterung haben die Tierschützer die Haltungs- und Verkaufsbedingungen bei einem Berliner Großmarkt, dem Dong Xuan Center, der bereits in der Vergangenheit negativ aufgefallen ist, kontrolliert.
Dabei dokumentierten die Tierschützer, dass den Kunden dort sogar lebende Fische für die Heimschlachtung verkauft werden. Ein klarer Verstoß gegen geltendes Tierschutzrecht. Dabei waren die Fischbecken völlig verdreckt, die Tierschützer fanden auch kranke und sogar tote Fische. Zudem beobachten die Tierschützer, wie einem Fisch nach zwei Schlägen auf den Kopf sämtliche Flossen abgeschnitten wurden, ohne dass zuvor ein tödlicher Herzstich durchgeführt wurde. „Der Fisch hat noch gelebt, ich habe ganz klar Augenreflexe gesehen“, so Stefan Klippstein, „das ist Tierquälerei.“

„Offensichtlich mangelt es hier an Sachkunde und Zuverlässigkeit im Umgang mit den Tieren und bei der Schlachtung“, so Stefan Klippstein, „dadurch werden den Tieren unnötige Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt. Insbesondere der Verkauf von lebenden Fischen zur Heimschlachtung ist absolut rechts- und tierschutzwidrig.“

Den Verantwortlichen scheint dies auch bewusst zu sein. Als sie bemerkten, dass es sich bei den vermeintlichen Kunden um Tierschützer handelte, bedrohten sie diese, griffen sie an und sperrten sie sogar ein. Die Tierschützer mussten die Polizei zu Hilfe rufen, da die Situation eskalierte.

Das Deutsche Tierschutzbüro hat bei Veterinäramt und Staatsanwaltschaft Anzeige gegen das Berliner Dong Xuan Center wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Die Tierschützer fordern, dass dem Unternehmen der Verkauf lebender Fische unverzüglich untersagt wird.

Zudem fordert das Deutsche Tierschutzbüro e.V., dass die Hälterung lebender Fische endlich bundesweit verboten wird. „An alle Verbraucher appellieren wir, niemals lebend gehälterte Fische zu kaufen“, so Stefan Klippstein, „Silvester ist vielmehr ein guter Anlass, nicht nur mit guten Vorsätzen ins neue Jahr zu starten, sondern auch mit guten Taten, z. B. einem vegetarischen Fondue.“

Die Tierschützer sind bei der Dokumentation der Verstöße körperlich angegriffen worden, die Polizei ermittelt jetzt gegen Mitarbeiter des Dong Xuan Centers wegen schwerer Körperverletzung.

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Presseberichte (Auswahl):

Berlin Online (27.12.2013)

DPA-Meldung (27.12.2013)

Berliner Zeitung (27.12.2013)

Berliner Kurier (29.12.2013)