Dritte Undercover-Recherche deckt auf, wie Tierquälerei für Tönnies weitergeht

Dritte Undercover-Recherche deckt auf, wie Tierquälerei für Tönnies weitergeht

Im Juli und September diesen Jahres schockierten uns zugespielte Aufnahmen aus Tönnies-Zulieferbetrieben ganz Deutschland. Durch die Ausbeutung seiner Mitarbeiter*innen war das Unternehmen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, die Duldung massiver Tierquälerei brachte es in die Medien.

Ein kurzer Rückblick:

Juli, Rheda-Wiedenbrück/NRW: Ein Schweinemastbetrieb mit ca. 1.000 Tieren, von denen zahlreiche Schweine an unbehandelten Verletzungen leiden. Geschwollene Augen, blutig gebissene Ohren und Schwänze, Tennisball-große Abszesse und Gülle, die durch die Spaltenböden nach oben dringt, beweisen, dass hier seit längerem keinerlei Wert auf das Wohlbefinden der Tiere gelegt wird. Wir erstatten Strafanzeige, das zuständige Veterinäramt ebenfalls. Tönnies beendete kurzfristig die Zusammenarbeit mit dem Betrieb und sprach vom „traurigen Einzelfall“.

September, Niedersachsen: Im größten Mastbetrieb Niedersachsens leiden unzählige schwer verletzte Schweine zwischen ihren eigenen Exkrementen und verwesenden Artgenossen. Fußball-große Tumore und Abszesse, blutige Verletzungen und humpelnde Tiere erhalten keine Versorgung. Doch es kommt noch schlimmer: Nachts abgestelltes Trinkwasser und die Überschreitung der erlaubten maximalen Spaltenbreite um 8 cm zeigen, dass die Tierquälerei System hat. Zu allem Überfluss darf dieser Betrieb sich auch noch mit dem QS-Prüfzeichen schmücken, das „gewissenhafte Tierbetreuung“ und „optimale Haltungsbedingungen“ auszeichnen soll. Wir informierten das Veterinäramt, stellten Strafanzeige und konfrontierten Tönnies live bei SternTV. Wieder wurde von Einzelfällen gesprochen, wieder endete die Zusammenarbeit mit dem Betrieb nur kurzfristig.

Trotzdem geht die Quälerei weiter

Nun folgen die bislang schlimmsten Aufnahmen, die uns zugespielt wurden. Sie beweisen, dass Tierquälerei nicht nur durch unterlassene Fürsorge entsteht, sondern von den Mäster*innen aktiv durchgeführt wird.

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Veröffentlicht im Dezember 2020, Samern/Niedersachsen: Auch hier leben abgemagerte, kranke und verletzte Tiere in ihren eigenen Exkrementen. Statt der Behandlung durch eine*n Tierärzt*in wird ein schwer krankes Schwein vom Landwirt in einen Zwischengang geschleift und dort tagelang ohne Futter und Wasser seinem Schicksal überlassen. Als das entkräftete Tier nach mehreren Tagen immer noch nicht tot ist und dem Landwirt im Weg liegt, will er das Schwein endlich mit einem Bolzenschuss töten. Doch dieser schlägt fehl – gleich zwei Mal. Das Tier zeigt immer noch klare Anzeichen von Bewusstsein, doch das interessiert den Landwirt offenbar überhaupt nicht, der die Tür hinter sich schließt und das Tier wieder sich selbst überlässt. Der in diesem Fall erlösende, gesetzlich vorgeschriebene Kehlschnitt bleibt aus. Ob aus Ignoranz oder um durch das Ausbluten notwendige Reinigungsarbeiten zu umgehen, können wir hier nur mutmaßen. 

Dieses Verhalten ist besonders schockierend, wenn man sich die Person dahinter genauer ansieht: Der Landwirt ist aktives Mitglied der Gruppierung „Landwirtschaft verbindet“ (LSV), die regelmäßig mit Traktoren für die Beachtung von Landwirt*innen und gegen Kontrollen von Tierrechtler*innen demonstriert. Wieso der Landwirt solche Aufnahmen aus seinem Stall verhindern wollte, haben die uns zugespielten Bilder auf grausame Art und Weise erklärt.

Dezember, Ohne/Niedersachsen: Ein anderer Stall, aber gleichbleibend schockierende Zustände. Einem der vielen verletzten Tiere hängt der halbe Darm heraus. Diese erhebliche blutende und eitrige Verletzung muss dem Tier seit Langem unvorstellbare Qualen bereiten. Nach vier Tagen ordnet der behandelnde Tierarzt des Betriebes die sofortige Nottötung von diesem und drei weiteren schwer erkrankten Schweinen an. Dieser Aufforderung kommt der Landwirt erst drei weitere qualvolle Tage später nach, als er versucht, die leidenden Tiere mit seinem Gewehr zu erschießen. Diese Praxis ist zu Recht verboten, denn auch hier laufen die angeschossenen Tiere weiter durch den Stall. Wie auch in Samern verlässt der Landwirt jedoch einfach den Stall und überlässt die Tiere sich selbst. Dieses Verhalten schockiert insbesondere, da der Mäster für die Landwirtschaftskammer NRW tätig ist, Vorträge hält und Ortsvereinsvorsitzender der „Vereinigung des Emsländischen Landvolkes e.V.“ sowie Ratsherr der Gemeinde Ohne ist.

Wie Niedersachsens größte Mastanlage wurden auch diese beiden kleinen „Bauernhöfe von nebenan“ mit dem QS-Qualitätssiegel ausgezeichnet. Das beweist, dass weder Qualitätssiegel noch die Wahl eines kleinen Betriebes Tierquälerei verhindern. Wir haben QS sowie die abnehmenden Schlachthöfe Goldschmaus, Tümmel, VION und Westfleisch über die untragbaren Zustände bei den Betrieben informiert.

Einer der Abnehmer ist auch dieses Mal wieder Tönnies. Nach wie vor profitiert das Unternehmen von dieser Form der Tierquälerei. Unserer Aufforderung, zuliefernde Betriebe stärker zu kontrollieren, ist das Unternehmen wiederholt nicht nachgekommen. Wir müssen also davon ausgehen, dass Tönnies Tierquälerei unterstützt und appellieren an alle abnehmenden Supermärkte, die Zusammenarbeit mit diesem Konzern zu beenden. Verbraucher*innen empfehlen wir einmal mehr auf pflanzliche Fleisch-Alternativen zurückzugreifen. Denn wenn diese neusten Aufnahmen eins belegen, dann dass Tierquälerei fester Bestandteil der Fleischindustrie ist und nur deren Boykott Tierleid verhindert. Wir unterstützen Dich gerne dabei: www.twenty4vegan.de

Medienberichte (Auswahl):
NDR vom 03.12.2020
t-online mit Video vom 03.12.2020
RTL vom 03.12.2020
SAT.1 vom 03.12.2020
Gmx.de vom 03.12.2020

 
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