Fehlverhalten im Umgang mit der Vogelgrippe

Noch immer gibt es keine Entwarnung bezüglich der Vogelgrippe und inzwischen ist auch ein neuer Stamm des Erregers aufgetaucht. Eine Epidemie in diesem Umfang hat es so noch nie gegeben, es handelt sich um eine äußerst aggressive und hoch-ansteckende Form des Vogelgrippevirus. Der Umgang mit der Gefahr ist aus Tierschutzsicht äußerst fragwürdig und aus Sicht vieler Experten liegt der Ursprung dafür, dass unzählige Tiere auf Verdacht getötet werden in der Massentierhaltung selbst.

Die Vogelgrippe

Der erste Fall von Vogelgrippe in der deutschen Nutztierhaltung trat Ende 2016 in Mecklenburg-Vorpommern auf, inzwischen wurde das Virus bei Wildvögeln in 15 weiteren Bundesländern nachgewiesen.  Europaweit sind 23 Länder betroffen und täglich kommen neue Meldungen hinzu. Der Ursprung dieses Virus-Subtyps H5N8 liegt nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Institutes  in Südostasien.

Bundesweit soll es seit November 2016 zu 672 Fällen von Geflügelpest bei Wildvögeln und 60 Ausbrüche bei gehaltenen Vögeln gekommen sein. Doch insgesamt weisen die Datenbanken erhebliche Defizite auf, so dass ein eindeutiger Ablauf der Epidemie nicht transparent und nachvollziehbar dargestellt werden kann. Sicher ist, dass inzwischen eine weitere Form des Virus aufgekommen ist: H5N5.

Unterschiedliche Auffassungen zur Verbreitung des Virus

Über die Verbreitung und Ansteckungsgefahren wird kontrovers diskutiert. Eine bisher weit verbreitete Auffassung bezüglich der Verbreitung war, dass der Virus aus Asien über Zugvögel nach Europa transportiert wurde und Wildtiere hier gehaltenes Geflügel infizierten. Inzwischen verbreitet sich jedoch die Annahme, dass der Ursprung für diesen Virus in der Nutztierhaltung zu finden ist. Dass sich Wildtiere und Nutztiere gegenseitig anstecken steht außer Frage, für die interkontinentale Verbreitung sei jedoch der Handel von kontaminierten Tieren und Geflügelprodukten hauptverantwortlich.

Kritik am Umgang mit dem Virus

Bei auftretenden Vogelgrippefällen in den Bundesländern wurde nach der aktuellen Fassung der Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest (GeflPestSchV) eine Stallpflicht angeordnet, die allerdings als unverhältnismäßig und auch aus Tierschutzsicht als nicht sinnvoll angesehen wird. Denn auch in geschlossenen Geflügelstallungen trat der Virus bereits auf. Das plötzliche Einsperren der Tiere hat einen enormen Einfluss auf ihr Verhalten und die Gesundheit. Besonders bei kleineren Betrieben und Privathaltungen leiden die Tiere unter der Stallpflicht. Die plötzliche Enge und Eintönigkeit kann sogar zu Kannibalismus unter den Tieren führen. Das hermetische Absperren der Betriebe sei zudem auch aufgrund der Belüftung nicht durchführbar. Hinzukommt, dass allein bei dem Verdacht auf Vogelgrippe in einem Betrieb, der gesamte Bestand gekeult, also getötet wird. Es bestätigen sich auch immer mehr Fälle, bei denen völlig gesunde Tiere unnötigerweise auf einen falschen Verdacht hin getötet wurden.

Fazit

Es ist erschreckend, wie hier auf Kosten unzähliger unschuldiger Tiere mit der Vogelgrippe umgegangen wird. Es kommt der Eindruck auf, dass hier von anderen Ursachen und Problemen abgelenkt wird. Denn es fehlt an unabhängigen Untersuchungen und verlässlichem Zahlenmaterial. Es zeigt einmal mehr, dass das aktuelle Agrarsystem weltweit nicht zukunftsfördernd und für unnötiges Tierleid verantwortlich ist. Dieses System darf einfach nicht unterstützt werden, es gibt unzählige tierleidfreie Alternativen auf die ausgewichen werden kann.

Was können Sie noch machen? Aktuell gibt es eine Petition, die eine Überprüfung der GeflPestSchV, eine Aufhebung der generellen Stallpflicht und keine Keulung auf Verdacht fordert:

https://www.openpetition.de/petition/online/ueberpruefung-der-geflpestschv-aufhebung-der-generellen-stallpflicht-keine-keulung-auf-verdacht

 

 

 

Quellen:

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gefluegelpest-in-europa-vogelgrippe-breitet-sich-immer-weiter-aus/19317378.html
Albert Schweitzer Stiftung, „Vogelgrippe: Streit um die Ursachen“ vom 6. Januar 2017
https://www.agrarheute.com/wochenblatt/news/gefluegelpest-deutschlandweit-verbreitet
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-a-n-stallpflicht-fuer-huehner-angst-vor-kannibalismus.4997d544-7fe2-4bc5-a9f5-e485ce3f2170.html
https://www.nabu.de/news/2016/11/21484.html
https://www.nabu.de/news/2016/12/21774.html
http://wai.netzwerk-phoenix.net/images/WAI_TSIS_20170201