Westfleisch-Skandal Fall #6: Betrieb in Hessisch-Oldendorf

Westfleisch-Skandal Fall #6: Betrieb in Hessisch-Oldendorf

Tierquälerei bei Westfleisch-Zulieferbetrieb
in Hessisch-Oldendorf aufgedeckt — Fall #6

Sie präsentieren sich als kleiner, familiärer Betrieb auf der Westfleisch-Website. Menschen lachen in die Kamera und kleine Stallungen sind zu sehen. Man könnte glauben, dass auf dem Hof im Hessisch-Oldendorf (Landkreis Hameln-Pyrmont, Niedersachsen) die Welt noch in Ordnung ist. Doch der Schein trügt, wie aktuelle Videoaufnahmen belegen. Sie sind in den letzten Monaten in dem Westfleisch-Zulieferbetrieb entstanden. Der “Familienbetrieb” hält 1.000 “Mastschweine”. Mehrfach hat ein Ermittlerteam die Zustände dokumentiert und dabei Grauenhaftes vorgefunden.

 

Verletzte Schweine

Ein Schwein fällt auf dem Videomaterial besonders auf, es hat einen blutigen Ringelschwanz. Eine tierärztliche Behandlung erfolgt offenbar nicht. Dabei ist es kein Einzelfall, sehr viele Tiere haben genau solche Verletzungen. Teilweise sind die Verletzungen enorm. Es ist unmöglich, dass der Tierhalter das übersieht, vermutlich ist es ihm schlichtweg egal. Besonders bei so einer hohen Anzahl von Tieren mit solch schwerwiegenden Verletzungen müsste der Betreiber handeln und den Tieren helfen. Andere Schweine weisen zum Teil sehr schwere Wunden auf. Ein Tier kann aus eigener Kraft gar nicht mehr aufstehen. Es müsste eigentlich separiert werden, so sieht es das Gesetz vor. 

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Sich selbst überlassen

Überall im Stall finden sich schwer verletzte Tiere, die aus Tierschutzsicht nicht nur separiert, sondern wahrscheinlich sogar notgetötet werden müssten, um den Tieren weitere Schmerzen zu ersparen. Auch wenn sich Landwirte mittlerweile um Tausende Tiere kümmern, so bezieht sich deren Sorgfaltspflicht auch auf jedes einzelne Tier. Und diese Sorgfaltspflicht wird in diesem Stall schlichtweg ignoriert.
Versteckte Kameras haben gefilmt, dass kranke und verletzte Tiere jedoch oft nicht beachtet und behandelt werden. Die Bilder zeigen, dass ein lebendes Schwein über Tage vom Landwirt einfach ignoriert wird. Dieses Tier muss dringend tierärztlich behandelt werden, doch stattdessen wird es sich selbst überlassen. Auf dem Video ist zu sehen, wie es stirbt und dann wie Müll entsorgt wird. Ein grausames Ende eines grausamen Lebens.

 

Teil der “Initiative Tierwohl”

Besonders schockierend: Der Betrieb nimmt an der “Initiative Tierwohl” teil und bekommt sogar extra Geld vom Land Niedersachsen dafür, dass er seine Schweine angeblich besser hält. Zusätzlich hat der Betreiber in den letzten Jahren rund 200.000 Euro Subventionen von der EU erhalten, u. a. auch für Tierschutz- und Umweltverbesserungen. Bei diesen katastrophalen Zuständen ist das kaum zu glauben. Tierquälerei so weit das Auge reicht. Eines der Tiere ist bereits vor einiger Zeit gestorben und wurde im Gang abgelegt. Die toten Körper anderer Tiere verbleiben einfach zwischen den Lebenden. Es kommt zu Kannibalismus.

Wer überlebt, wird brutal auf die letzte Reise geschickt: zum Westfleisch-Schlachthof. Die Videoaufnahmen beweisen: Immer wieder wird der Elektroschocker eingesetzt, damit die Tiere schneller laufen. Das ist in dieser Form gesetzlich verboten.

In diesem wie auch in den sechs anderen Zulieferbetrieben von Westfleisch wurden schwere Verstöße gegen Gesetze und Straftaten dokumentiert. Aus diesem Grund wurde gegen jeden der 7 Betriebe Strafanzeige erstattet.

Über Westfleisch

Mit etwa acht Millionen getöteten Tieren pro Jahr und einem Umsatz von 2,56 Milliarden Euro ist Westfleisch – neben Tönnies und Vion – einer der größten Schweineschlachter Deutschlands. Das Unternehmen mit Sitz in Münster, Nordrhein-Westfalen, hat neun Standorte und über 5.500 Mitarbeitende. Westfleisch ist eine Genossenschaft: Rund 4.500 bäuerliche Familienbetriebe sind Eigentümer des Unternehmens. Westfleisch verkauft sein Rinder- und Schweinefleisch sowohl direkt als auch über seine zahlreichen Tochterunternehmen und hat damit in der Vergangenheit Discounter wie Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Penny, Netto und Norma beliefert. In Nordrhein-Westfalen kooperiert Westfleisch zudem mit dem Lebensmittelunternehmen Fleischhof Rasting und beliefert darüber die Supermarktketten EDEKA und Marktkauf in der Rhein-Ruhr-Region.

Jetzt den Schweinen helfen!

Mit der aktuellen Kampagne gegen Westfleisch decken wir nunmehr zum wiederholten Mal erschreckende Zustände in der Schweinemast auf. In den vergangenen Jahren haben wir bereits mehrfach dokumentiert, wie Tiere für Schlachtunternehmen wie Tönnies und Vion leiden. Doch auch in Bio-Schlachthöfen haben wir grausame Tierquälerei dokumentiert. Der beste Weg, den Tieren zu helfen, ist sie nicht mehr zu essen. Eine pflanzliche Ernährung ohne Fleisch und andere tierische Produkte, ist heute so einfach wie nie. Leckere Rezepte und praktische Einkaufstipps gibt’s bei Twenty4VEGAN.de.

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