Westfleisch-Skandal Fall #2: Betrieb in Ibbenbüren

Westfleisch-Skandal Fall #2: Betrieb in Ibbenbüren

Tierquälerei bei Westfleisch-Zulieferbetrieb
in Ibbenbüren aufgedeckt — Fall #2

Westfleisch präsentiert auf der Website einen Betrieb mit langer Familientradition. Der Betreiber lacht in die Kamera, es ist ein idyllischer Hof mit kleinen Stallungen zu sehen. Der typische “Bauer von nebenan”. Man könnte glauben, dass auf dem Hof in Ibbenbüren (Kreis Steinfurt, Nordrhein-Westfalen) die Welt noch in Ordnung ist, doch der Schein trügt. In der 150 Meter langen Mastanlage am Waldrand werden über 4.000 Schweine gehalten. Die Bauernhofidylle sucht man hier vergeblich. Und auch sonst hat die Haltung nichts mit der vorgegaukelten heilen Welt zu tun, wie die uns zugespielten Bilder zeigen. Sie sind in den letzten Monaten in der Anlage entstanden.

Verletzt in unhygienischen Verhältnissen zurückgelassen

Die Schweine auf den Videoaufnahmen werden in engen Buchten gehalten, Auslauf Fehlanzeige. Viele der Tiere haben Wunden auf der Haut. Das kommt von Rangkämpfen unter den Schweinen, besonders unter so beengten Bedingungen können sich die Tiere nicht aus dem Weg gehen. Eine tierärztliche Behandlung scheint gar nicht oder nicht ausreichend zu erfolgen. Das ganze Ausmaß des Leids zeigt sich in einer Bucht, dort herrschen katastrophale Hygienebedingungen. Es wurde wohl einmal Stroh eingestreut, doch inzwischen leben die Tiere in ihrem eigenen Kot. Der hat sich bereits zu einer dicken Schicht angesammelt. Kaum zu glauben, aber das soll eine Krankenbucht sein, in der sich verletzte Tiere erholen sollen. Das Ermittlerteam findet zwischen den lebenden Tieren auch zwei tote Schweine. Sie sind bereits blau angelaufen – ganz offensichtlich liegen sie schon länger dort und werden einfach nicht beachtet.

 

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Hausschlachtung und Elektroschocker

Eine versteckte Kamera filmt, wie ein Schwein geschlachtet wird. Vermutlich wird das Fleisch der Tiere über die eigene Facebook-Seite vermarktet. Auch hier wird eine Bauernhofidylle präsentiert, die mit der Realität nichts zu tun hat. Versteckte Kameras zeigen, dass die übrigen Tiere auf brutale Weise mit einem Elektroschocker zum Tiertransporter getrieben werden. Das Ziel: der Westfleisch-Schlachthof. Das Fleisch der geschundenen Tiere wird neben Westfleisch ganz offensichtlich über die Supermarktkette K&K verkauft, zumindest verweist ein Schild am Mastbetrieb darauf.
Wer für diese Tierquälerei letztlich verantwortlich ist, ist unklar. Denn unter der Anschrift der Mastanlage sind gleich mehrere Betriebe gemeldet. Offenbar ist auch eine Frau mitverantwortlich, die bis vor Kurzem für die CDU als Ratsfrau aktiv war. Darauf lassen Dokumente schließen, die im Stall liegen. Zudem hat genau diese Person EU-Subventionen von rund 200.000 Euro in den letzten Jahren u. a. für Umwelt- und Tierschutzverbesserungen erhalten. Zudem stand der Betrieb in der Vergangenheit in der Kritik, weil er sich erweitern wollte. 

 

In diesem wie auch in den sechs anderen Zulieferbetrieben von Westfleisch wurden schwere Verstöße gegen Gesetze und Straftaten dokumentiert. Aus diesem Grund wurde gegen jeden der 7 Betriebe Strafanzeige erstattet.

Über Westfleisch

Mit etwa acht Millionen getöteten Tieren pro Jahr und einem Umsatz von 2,56 Milliarden Euro ist Westfleisch – neben Tönnies und Vion – einer der größten Schweineschlachter Deutschlands. Das Unternehmen mit Sitz in Münster, Nordrhein-Westfalen, hat neun Standorte und über 5.500 Mitarbeitende. Westfleisch ist eine Genossenschaft: Rund 4.500 bäuerliche Familienbetriebe sind Eigentümer des Unternehmens. Westfleisch verkauft sein Rinder- und Schweinefleisch sowohl direkt als auch über seine zahlreichen Tochterunternehmen und hat damit in der Vergangenheit Discounter wie Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Penny, Netto und Norma beliefert. In Nordrhein-Westfalen kooperiert Westfleisch zudem mit dem Lebensmittelunternehmen Fleischhof Rasting und beliefert darüber die Supermarktketten EDEKA und Marktkauf in der Rhein-Ruhr-Region.

Jetzt den Schweinen helfen!

Mit der aktuellen Kampagne gegen Westfleisch decken wir nunmehr zum wiederholten Mal erschreckende Zustände in der Schweinemast auf. In den vergangenen Jahren haben wir bereits mehrfach dokumentiert, wie Tiere für Schlachtunternehmen wie Tönnies und Vion leiden. Doch auch in Bio-Schlachthöfen haben wir grausame Tierquälerei dokumentiert. Der beste Weg, den Tieren zu helfen, ist sie nicht mehr zu essen. Eine pflanzliche Ernährung ohne Fleisch und andere tierische Produkte, ist heute so einfach wie nie. Leckere Rezepte und praktische Einkaufstipps gibt’s bei Twenty4VEGAN.de.

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