Westfleisch-Skandal Fall #1: Betrieb in Velen

Westfleisch-Skandal Fall #1: Betrieb in Velen

Tierquälerei bei Westfleisch-Zulieferbetrieb
in Velen aufgedeckt — Fall #1

Auf der Westfleisch-Website wird ein Mehrgenerationen-Betrieb vorgestellt. Es sind lachende Menschen und kleine Hofgebäude zu sehen. Ein richtiger Familienbetrieb hier in Velen (Kreis Borken, Nordrhein-Westfalen) ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest soll dies suggeriert werden. Doch die Realität sieht anders aus. In einer großen Anlagen werden Schweine für Westfleisch gemästet. Die Stallungen liegen am Waldrand, weit weg von der Öffentlichkeit. Offenbar soll niemand mitbekommen, was hinter den Türen passiert. Mehrfach hat ein Rechercheteam die Zustände vor Ort dokumentiert. Dem Deutschen Tierschutzbüro e.V. wurden schockierende Aufnahmen aus sieben Zulieferbetrieben des Fleischkonzerns Westfleisch zugespielt. Die Aufnahmen sind alle in den letzten Monaten entstanden. Zu sehen sind katastrophale Haltungsbedingungen und massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Wir haben gegen alle Betriebe Strafanzeige erstattet und die zuständigen Veterinärämter informiert.

Abgemagerte und verletzte Schweine

Auf dem Videomaterial sind Schweine zu sehen, die sich gegenseitig in die Ohren und Ringelschwänze beißen. Eine Verhaltensstörung, die auftritt, wenn die Tiere gestresst und frustriert sind. Eine tierärztliche Behandlung erfolgt offenbar nicht. Dabei benötigen die verletzten Schweine dringend Hilfe. Sie werden sich einfach selbst überlassen. Dabei ist der Betreiber sogar Westfleisch-Kooperationspartner für den Bereich Schweine. Er hat in den letzten Jahren rund 50.000 Euro an EU-Subventionen erhalten – u. a. für Umwelt- und Tierschutzverbesserungen. Die Tiere haben von all dem nichts, sie leiden.

 

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Kein Zugang zu Wasser und tote Tiere

Die Tierquälerei geht weiter: Einige der Schweine haben schwerwiegende Verletzungen: Beinverletzungen, Nabelbrüche, blutige Ohren und Ringelschwänze, offene Wunden … Die Liste der Quälereien ist lang. In einer Bucht haben alle Tiere blutig gebissene Schwänze, das scheint den Betreiber aber nicht zu stören. Ein Schwein fällt auf dem Videomaterial besonders auf, es ist stark abgemagert und apathisch. Es muss Höllenqualen erleiden. Der Betreiber hat es weder separiert noch ausreichend tierärztlich behandelt, obwohl es dringend darauf angewiesen wäre. Stattdessen scheint das Tier langsam in der Bucht zu verhungern. Eine Woche später filmt das Ermittlerteam erneut in dem Stall, um nachzuweisen, dass es sich nicht um eine einzelne Verfehlung des Landwirtes handelt. In dieser Nacht finden sie das Schwein erneut. Es liegt tot im Gang.

In einer Nacht im Hochsommer filmt das Ermittlerteam ein Schwein, das tatsächlich in einer Krankenbucht gehalten wurde. Allerdings wurden die Nippeltränken abgestellt, das Tier hat nicht einmal etwas zu trinken. Wie kaltblütig muss der Betreiber sein, dass er kranken Tieren noch nicht mal Wasser gibt? Ein paar Tage später filmt das Ermittlerteam erneut in dem Stall, diesmal finden sie das Tier tot im Gang liegend. Immer wieder stößt das Team auf tote Schweine. Sie liegen zwischen den Lebenden oder verwesen langsam vor den Stalltoren, abgelegt wie Müll.

 

Die Bilder passen so gar nicht zu den Versprechen von Westfleisch. Von Tierschutz und vermeintlich artgerechter Haltung ist hier keine Spur. In diesem wie auch in den sechs anderen Zulieferbetrieben von Westfleisch wurden schwere Verstöße gegen Gesetze und Straftaten dokumentiert. Aus diesem Grund wurde gegen jeden der 7 Betriebe Strafanzeige erstattet.

Über Westfleisch

Mit etwa acht Millionen getöteten Tieren pro Jahr und einem Umsatz von 2,56 Milliarden Euro ist Westfleisch – neben Tönnies und Vion – einer der größten Schweineschlachter Deutschlands. Das Unternehmen mit Sitz in Münster, Nordrhein-Westfalen, hat neun Standorte und über 5.500 Mitarbeitende. Westfleisch ist eine Genossenschaft: Rund 4.500 bäuerliche Familienbetriebe sind Eigentümer des Unternehmens. Westfleisch verkauft sein Rinder- und Schweinefleisch sowohl direkt als auch über seine zahlreichen Tochterunternehmen und hat damit in der Vergangenheit Discounter wie Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Penny, Netto und Norma beliefert. In Nordrhein-Westfalen kooperiert Westfleisch zudem mit dem Lebensmittelunternehmen Fleischhof Rasting und beliefert darüber die Supermarktketten EDEKA und Marktkauf in der Rhein-Ruhr-Region.

Jetzt den Schweinen helfen!

Mit der aktuellen Kampagne gegen Westfleisch decken wir nunmehr zum wiederholten Mal erschreckende Zustände in der Schweinemast auf. In den vergangenen Jahren haben wir bereits mehrfach dokumentiert, wie Tiere für Schlachtunternehmen wie Tönnies und Vion leiden. Doch auch in Bio-Schlachthöfen haben wir grausame Tierquälerei dokumentiert. Der beste Weg, den Tieren zu helfen, ist sie nicht mehr zu essen. Eine pflanzliche Ernährung ohne Fleisch und andere tierische Produkte, ist heute so einfach wie nie. Leckere Rezepte und praktische Einkaufstipps gibt’s bei Twenty4VEGAN.de.

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